Heimerzheim. Am Dienstag, den 27. Januar 2026, fand auf Einladung von Bürgermeister Tobias Leuning die gemeindliche Veranstaltung anlässlich des bundesweiten Gedenktages der Opfer des Nationalsozialismus statt. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger, Vertreter des Rates und der Kirchen, der Heimerzheimer Ortsvorsteher und viele Weitere waren der Einladung gefolgt, um gemeinsam an diesem Tag der Vergangenheit zu gedenken – und besonders der Menschen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen. Zu diesem Anlass wandten sich Bürgermeister Tobias Leuning, Pfarrerin Berg und Pater Axel sowie Schüler der 7d der Gesamtschule Swisttal an die Zuhörerinnen und Zuhörer. Die Botschaft war klar und deutlich: nie wieder.
Am Eingang zum jüdischen Friedhof in Heimerzheim ist seit dem 23. Mai 2019 -anlässlich des 70. Jahrestags der Unterzeichnung des Deutschen Grundgesetzes- auf einer Informationstafel zu lesen:
„Die Gemeinde Swisttal und ihre Bürgerinnen und Bürger achten und schützen die Menschenwürde aller Menschen. Wir bekennen uns zu den Menschenrechten und Menschenpflichten, insbesondere zu Frieden in Freiheit und Gerechtigkeit, […].“
Die Rede von Bürgermeister Tobias Leuning:
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter des Rates,
sehr geehrter MdL Oliver Krauss,
sehr geehrte Pfarrerin Berg,
sehr geehrter Pater Axel,
liebe Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule,
liebe Bürgerinnen und Bürger von Swisttal,
der 27. Januar ist ein bundesweiter Tag des Erinnerns, des Mahnens und der Verantwortung.
Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit. Ein Ort, der wie kaum ein anderer für das industrialisierte Töten, für unermessliches Leid, für die dunkelste Zeit der deutschen Geschichte steht. Millionen Menschen wurden entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet – Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, politisch Andersdenkende, Menschen mit Behinderungen, Homosexuelle, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und viele, viele andere.
Wir erinnern heute an diese Menschen – nicht als abstrakte Zahl, sondern als Individuen. Als Mütter, Väter, Kinder. Als Nachbarn. Als Menschen mit Hoffnungen, mit Träumen, mit einem Leben, das ihnen gewaltsam genommen wurde.
Auch in unserer Region hat das nationalsozialistische Regime Spuren der Ausgrenzung, der Verfolgung und des Unrechts hinterlassen. Jüdische Familien wurden aus ihren Häusern vertrieben, Mitbürgerinnen und Mitbürger gedemütigt, deportiert und ermordet. Was damals geschah, geschah nicht fernab, nicht irgendwo – sondern in Städten und Dörfern, auch hier im Raum des heutigen Swisttals.
Gerade deshalb ist das heutige Gedenken keine Pflichtübung, sondern vielmehr Teil unserer Identität als demokratische Gemeinschaft. Erinnerung schützt nicht automatisch vor Wiederholung – aber Vergessen macht sie möglich.
Der Holocaust begann nicht mit Gaskammern. Er begann mit Worten. Mit Ausgrenzung. Mit Gleichgültigkeit. Mit Menschen, die wegschauten, die schwiegen, die mitliefen. Deshalb richtet sich dieser Gedenktag nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in unsere Gegenwart.
Wir erleben in diesen Jahren erneut, dass Hass, Antisemitismus und menschenverachtende Parolen lauter werden. Dass Verschwörungstheorien verbreitet werden. Dass die Würde anderer Menschen infrage gestellt wird. Dass versucht wird, Geschichte zu relativieren oder umzudeuten.
Dem müssen wir entschieden entgegentreten – hier in Swisttal, im Alltag jeder Bürgerin und jedes Bürgers, in unseren Vereinen, in unseren Schulen, in unserer politischen Kultur. Demokratie lebt von Haltung. Von Zivilcourage. Von der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Gerade junge Menschen fragen oft: *Was hat das noch mit uns zu tun?*
Die Antwort ist: Alles.
Denn Erinnerung ist kein Blick zurück aus sicherer Distanz. Sie ist ein Kompass für unser heutiges Handeln. Sie verpflichtet uns, jeder Form von Menschenfeindlichkeit entgegenzutreten. Sie fordert uns auf, Vielfalt zu schützen, Minderheiten zu achten und die Würde jedes Einzelnen zu verteidigen.
Gedenken heißt auch, den Opfern ihre Namen zurückzugeben. Ihre Geschichten zu bewahren. Ihr Schicksal nicht im Dunkel der Geschichte verschwinden zu lassen. Jeder Mensch, der verfolgt und ermordet wurde, hatte ein Gesicht, eine Stimme, ein Leben. Sie sollen in unserem kollektiven Gedächtnis weiterleben.
Der heutige Tag ist still. Er ist schwer. Aber er ist notwendig. Denn er erinnert uns daran, wohin Gleichgültigkeit führen kann – und wozu Menschlichkeit verpflichtet.
Lassen Sie uns daher gemeinsam dafür sorgen, dass Swisttal ein Ort bleibt, an dem Respekt, Mitgefühl und demokratische Werte gelebt werden. Ein Ort, an dem Menschen nicht ausgegrenzt, sondern geschützt werden. Ein Ort, an dem Erinnerung nicht endet, sondern die Zukunft gestaltet.
Heute erinnern wir der Opfer des Nationalsozialismus. Und wir geben ein Versprechen: Nie wieder.
Vielen Dank.



